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Aus einer Ansprache im „Club du Faubourg“ in Paris. (Autorisierte Übersetzung.)
Ist die Kenntnis des Unbewußten wünschenswert für den Schöpfer menschlicher Typen? Wenn diese Kenntnis möglich ist, wird sie den Dramatiker bereichern oder ihn hemmen? Ist der wissende Künstler noch ein Künstler? Man muß zugeben, daß der Mensch seit ungefähr zwanzig Jahren sich selbst gegenüber eine ganz neue Stellung einnimmt. Seine Neugierde, früher den Geheimnissen des Kosmos und denen der physiologischen Erscheinungswelt zugewendet, ist nun heftig gereizt durch die Entdeckung unbekannter Gebiete seiner Seele. Er hat sich jetzt dahin aufgemacht, so wie er zu den Polen gewandert war, oder wie er sich in die höheren Schichten der Atmosphäre geschwungen hatte. Er hat eine Expedition dahin unternommen, eine Forschungsreise — und er ist mit einer erstaunlichen Menge von Beobachtungen zurückgekehrt, mit neuen Systemen, Methoden, mit einer neuen therapeutischen Möglichkeit. Und aus all diesem Material erhob sich eine neue Wissenschaft, die man die Wissenschaft des Unbewußten nennen könnte und die den Namen Psychoanalyse trägt.
Freud, der nicht mehr beansprucht, als ein Verfahren zur Heilung von Neurosen geschaffen zu haben, hat, ohne es angestrebt zu haben, den Weg zum Verständnis aller unbewußten Phänomene beim Normalen wie beim Kranken erschlossen. Er reicht uns den Schlüssel zu den geheimen Pforten der Seele. Er offenbart uns die verborgenen Wünsche, die sich hinter unseren scheinbar unschuldigsten Träumen verstecken, — Wünsche, die selbst im Schlaf durch den geheimnisvollen Wächter, den er Zensur nennt, verdrängt sind, — Wünsche, die sich nur in Symbolen auszudrücken wagen, Wünsche, hinter denen sich fast immer vergessene Impulse