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Als die Psychoanalyse auf die entscheidende Bedeutung der Tagträume für den Lebensweg und die Liebeswahl des Einzelnen hinwies, traf sie wenigstens an dieser einen Stelle mit einer längst gangbaren Überzeugung zusammen, daß nämlich die Tagträume die allgemein menschliche Vorstufe seien, von der aus sich im begnadeten Sonderfalle der Aufstieg zum Kunstwerk, zur Dichtung vollziehe. Sachs weist in seinen „Gemeinsamen Tagträumen“ (Imago-Bücher Nr. V, Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien) die unbewußten Quellen der Tagträume nach, und untersucht eingehend die Frage, wie sich der Tagtraum zum Kunstwerk verwandelt, wobei er besonders den Fall ins Auge faßt, wenn zwei irgendwie Gleichgerichtete sich zusammentun, um gemeinsam einen Tagtraum auszuführen, der dann eine Zeitlang beiden den eigenen, allein geführten Tagtraum völlig ersetzt. Die Analyse der „gemeinsamen Tagträume“ führt Sachs zu einer differentiellen Psychologie des dichterischen Schaffens. (Im besonderen Teil des Buches analysiert er in zwei breit angelegten Studien zwei Kunstwerke, die beide Anzeichen einer Produktionshemmung im Leben ihrer Schöpfer darstellen: Schillers „Geisterseher“ und Shakespeares „Sturm“. Die Psychoanalyse entwickelt sich „nach dem Gesetz, nach dem sie angetreten“; aus der Erforschung seelischer Störungen erwachsen, vermag sie sich den Problemen der künstlerischen Schöpfung auch am besten von der Seite der Hemmungen her zu nähern.) Dem einleitenden Essay sind die folgenden Ausführungen entnommen.
Mit der intensiven Verdichtung sowie mit der ausgiebigen Verwendung der Symbolik geht der gemeinsame Tagtraum über die Grenzen des gewöhnlichen Tagtraumes hinaus und nähert sich dem Traum. Die Wunscherfüllung der bewußten Persönlichkeit, die im Tagtraum sonst die erste Rolle spielt, ist infolge eines erfolgreichen Durchbruches des Unbewußten zurückgetreten. Dies kann nur beim gemeinsamen Tagtraum in typischer Weise zustande kommen: Er beruht ja nicht