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Aus „Imago, Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften“, Bd. X (1924).
Künstler stehen jenseits der Nekrologe; ihr Sterben und Auferstehen ist nicht an die Auflösung ihres Körpers gebunden, sondern an den Rhythmus der Jahrhunderte, der sie auf- und niederschaukelt, bis sie endgültig untersinken oder bei den Unsterblichen landen. Darum ist es wohl nicht angebracht, das Urteil über die Größe Spittelers und die Prophezeiung seiner Unsterblichkeit, die bei seinen Lebzeiten in diesen, nach einem seiner Meisterwerke benannten Blättern öfters ausgesprochen wurden,1 noch einmal zu wiederholen und zu begründen. Auf den Glanz seiner schöpferischen Kraft ist jetzt durch seinen Tod ebensowenig ein Schatten gefallen, wie während des Schaffens durch die Bedrängnis innerer und äußerer Nöte, unter denen er entstand.
Statt über den der Macht des Todes nicht unterworfenen Künstler möchte ich ein paar Worte über den Eindruck sagen, den ich von der menschlichen Persönlichkeit des Abgeschiedenen empfangen habe — Eindrücke, die selbst bei strengster und kritischester Wertung durchaus danach angetan sind, die Umrisse der Dichtergestalt hervorzuheben, nicht, sie zu verzerren.
Der Greis mit den leuchtenden, tiefblauen Augen, dem ich vor etwa fünfzehn Jahren zum erstenmal gegenüberstand, sah dem Zeus ähnlicher als dem Apoll, den Spitteler sich zum idealen Abbild gewählt hatte. Freilich, der ruhige Glanz, der über seiner ganzen Existenz lag und bis auf Arbeitszimmer und Garten ausstrahlte, die echte und fein abgestufte, nie ins Biedermännische abbiegende Liebenswürdigkeit des Empfanges, der in einem klippenreichen Gespräch stets sicher