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Ich möchte einem Buch Leser gewinnen, das kaum seinesgleichen hat unter deutschen Büchern, einem nicht literarischen Buch, aber von eigentümlichster spiritueller Schärfe, die ihre Zeichen ins Hirn des Lesers ätzt. Was sonst als deutsche Prosa Humor übt, scheint Wasser neben dieser Quintessenz.
Das Buch heißt: „Der Seelensucher“, ein psychoanalytischer Roman von Georg Groddeck.
So was Freches, Ungeniertes, raffiniert Gescheit-Verrücktes ist von Erzählern unserer Sprache noch nicht gewagt worden. Man muß zu den Großen satyrischer Dichtung, will man die Patrone dieser Schrift nennen. Von Jonathan Swifts unsterblicher Galle kreist ein Tropfen in des Seelensuchers Bitterkeit; an Cervantes erinnert der Ritus, nach dem hier einer zugleich den Priester und das Lamm seiner Narrheit abgibt, erinnert die Durchsetzung dieser Narrheit mit Idee und Idealität; in der Rabies ihrer Witzigkeit aber gespenstert das Überdimensionierte der Gargantua-Komik.
Die Gestalterkraft der Meister fehlt dem Georg Groddeck. Er schreibt wie ein gebildeter Dilettant, sein Buch ist kunstlos ungebaut. Es stehen nur Wände für ein Flechtwerk von Gedanke und Reflexion. (Immerhin schlägt manchmal auch ein gemütliches Fabuliertalent deutschblaue Augen auf.) Die Figuren haben beiläufige Kontur. Auch der Held, Thomas, der als Don Quixote Sigmund Freudscher Weltanschauung seiner fürsorglichen Schwester Agathe durchbrennt, streitbar durch die deutschen Lande zieht, in die wunderlichsten Händel und skurrilsten Abenteuer gerät, als Ritter seiner Dulcinea Psychoanalyse die erbittertsten Rede- und andere