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In der Broschüre „Psychoanalytische Erziehung in Sowjetrußland“ (Internationaler Psychoanalytischer Verlag, ) berichtet Vera Schmidt über das Moskauer Kinderheim-Laboratorium „Internationale Solidarität“, über die psychoanalytischen Leitsätze für die Arbeit in dieser Anstalt, über die pädagogischen Maßnahmen, insbesondere auch über die Arbeit des Erziehers an sich selbst und über die dort gemachten Beobachtungen. Die einleitenden Ausführungen, in denen über die äußeren Schicksale des Kinderheims berichtet wird, werden hier wiedergegeben.
Das Interesse für Erziehungsfragen, insbesondere für die Gemeinschaftserziehung im Kindesalter, hat sich in Rußland während der Ereignisse der letzten Jahre bedeutend gesteigert. So kam es, daß in unserem kleinen, für die Psychoanalyse interessierten Kreise der Gedanke auftauchte, ein Kinderheim zu gründen, das neben einer Gelegenheit für wissenschaftliche Beobachtung die Möglichkeit bieten sollte, auf Grund psychoanalytischer Erkenntnisse neue Wege der Erziehung zu suchen. Zu diesem Zwecke wurde eine Villa zur Verfügung gestellt, das Volkskommissariat für Aufklärung gab die Geldmittel und wir konnten am 19. August 1921 das Kinderheim-Laboratorium eröffnen, das sich offiziell dem Moskauer Psychoneurologischen Institut anschloß. An der Spitze des Heimes stand Professor Ermakow, der Leiter der psychoanalytischen Bewegung in Rußland. Es war damals in Moskau fast unmöglich, geschulte Mitarbeiter zu finden, die eine wenn auch nur theoretische Kenntnis der Psychoanalyse besaßen. So mußten wir uns damit begnügen, Pädagogen heranzuziehen, die sich für die spezielle Aufgabe des Heimes interessierten und ihre weitere Ausbildung erst im Laufe ihrer Mitarbeit erhalten sollten.