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Bruchstück aus „Verwahrloste Jugend. Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung.“ Zehn Vorträge zur ersten Einführung von August Aichhorn. Mit einem Geleitwort von Prof. Freud (Internationale Psychoanalytische Bibliothek, Bd. XIX; erscheint im Herbst ).
… Sehen wir, wie der Fürsorgeerzieher in der Praxis versucht, die psychische Situation des Kindes oder Jugendlichen zu erfassen, um dann die Übertragung herzustellen, beziehungsweise wie sie sich schon von selbst während des Lüftens der Maske einstellt. Ich bin zwar nicht in der Lage, Ihnen angeben zu können, wie andere versuchen, die Übertragung herzustellen; das weiß ich nicht. Ich werde versuchen, Ihnen zu zeigen, wie ich mich gewöhnlich und nicht ganz erfolglos verhalte.
Versetzen Sie sich in die Erziehungsberatung, und nun tritt ein Verwahrloster herein, dem auf dem ersten Blick der brutale Gewaltmensch anzusehen ist. Wenn Sie dem mit der ihm bisher gewohnten Strenge entgegentreten, so lehnt er sich sofort auf und die Übertragung stellt sich nicht her. Sind Sie entgegenkommend, freundlich, liebenswürdig, so wird er durch Ihr ihm ungewohntes Benehmen mißtrauisch und lehnt Sie aus diesem Grunde ab, oder er nimmt Sie für den Schwächeren und reagiert mit erhöhter Brutalität.
Fassen Sie den intellektuell Hochwertigeren strenge an, so fühlt er sich sofort als Herr der Situation, er steht auf ihm bekannten Boden, so kommen ihm so und so viele draußen im Leben entgegen. Bei wohlwollendem Entgegenkommen hält er Sie für den besonders Schlauen und ist noch weit mehr auf der Hut als sonst.
Die Ängstlichen, Verschüchterten sind bei schärferem Anpacken leicht geneigt zu weinen oder in die Verfassung zu kommen, die mit Trotz zu verwechseln ist.
Wie sollen wir uns nun benehmen, wenn das eine und das andere nicht geeignet ist, den Verwahrlosten in die erforderlichen Gefühlsbeziehungen zu bringen? Wenn der Verwahrloste gebracht wird, erfolgt meinerseits ein erster Moment freundlicher Beachtung: