You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Daß Freud, Erfahrungen psychischer Natur verwertend, ein ganzes Stück Biologie, die Lehre von der Sexualentwicklung zu rekonstruieren imstande war, gab Ferenczi den Anstoß, die Freudschen Erklärungen über die Begattungsfunktion fortzuspinnen. Er gelangt dabei auch auf eigentliches Gebiet der Biologie und zu faszinierenden Hypothesen. Die Ergebnisse der Ferenczischen Bioanalyse sind in seinem „Versuch einer Genitaltheorie“ niedergelegt. Dem abschließenden Teil ist das Folgende entnommen.
Wenn nach unserer Hypothese der Begattungsakt nichts anderes ist als Befreiung des Individuums von lästiger Spannung unter gleichzeitiger Befriedigung des Triebes nach Regression in den Mutterleib und in das Meer, das Vorbild aller Mütterlichkeit, so ist zunächst nicht einzusehen, warum und auf welche Art diese Befriedigungstendenz, die anscheinend von der Tendenz zur Arterhaltung und Befruchtung ganz unabhängig ist, mit letzteren zu einer Einheit verschmilzt und in der Genitalität der höheren Tiere gleichzeitig zur Äußerung gelangt. Das Einzige, was wir bisher als Erklärung dieses Tatbestandes anführen konnten, war die Identifizierung des ganzen Individuums mit dem Genitalsekret. Demnach wäre der sorgfältige Schutz, den die Individuen ihrem Genitalsekret angedeihen lassen, nicht merkwürdiger als ähnliche Schutzmaßnahmen, die so viele Tiere auch auf ihre sonstigen Exkrete verwenden. Diese Exkrete bilden nach der Empfindung der Individuen Bestandteile ihres eigenen Selbst und ihre Ausstoßung geht mit einem Gefühle des Verlustes einher, wobei das Bedauern über den Verlust fester Stoffe (Kot) stärker zu sein scheint, als das nach der Ausscheidung von Exkreten dünnerer Konsistenz.
Diese Erklärung erscheint einem aber von vornherein recht ärmlich und unbefriedigend, besonders wenn man bedenkt, daß mit dem Genitalakte nicht nur die Unterbringung der Genitalsekrete an einem gesicherten Ort, sondern auch der Befruchtungsprozeß, die Vereinigung der geschlechtsdifferenten Keimzellen zu einer Ein