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Im Rückerinnern will mir scheinen, als ob mein Leben der Psychoanalyse entgegengewartet hätte, seitdem ich aus den Kinderschuhen heraus war. Denn im darauffolgenden Jahrzehnt ereignete sich ein Dreierlei nacheinander, was die Zeitläufte dann entscheidend zusammengriffen. Erstlich das Zurücktreten der gealterten metaphysischen Methodik unter dem Vordrang des Darwinismus und kritischen Positivismus, sodann der Eintritt Nietzsches in das Mannesalter seines Schaffens, nach der vorangegangenen Schopenhauer-Wagner-Periode; endlich, allmählich, den Zeitgenossen noch verborgen, die Geburtsstunde der Psychoanalyse in Wien, der ich erst gegen mein fünfzigstes Lebensjahr nahetrat.
Die erste dieser drei Wendungen ist nicht als eine zu betrachten, die bloß philosophisch Interessierte anging; die großen metaphysischen Systeme — letztlich noch Hegel, nach rechts wie nach links — umfaßten, nicht nur theoretisch, alles ethische, soziale, ästhetische, religiöse Lebensverhalten, sondern bestimmten es; ihren Abbruch mitmachen konnte ernstliche Jugend nicht, ohne sich zu den neuen entgötternden Wahrheiten gleichsam heroisch einzustellen, weil es eben die „Wahrheit“ galt; in einer Seelenhaltung, die überging vom angenehm Begeisterten zum Opferbereiten. Diese, an sich recht wertvolle, aber den empirischen Zweckwissenschaften gegenüber etwas unproportionierte Anstrengung der Seele, entspannte sich in dem Maße, als die Forschungsmethoden immer noch an Anspruch und Strenge zunahmen; denn gerade dadurch ergab sich ihnen auch zunehmend eine um so reinlichere, sachlichere Zweckbegrenzung, — die Einsicht nämlich, von der Wirklichkeit Fülle nur eine flachgezeichnete Silhouette bieten zu können, die nach allen Seiten lebendiger Ergänzung bedürftig blieb. Bis durchgehends das befreiende Schlagwort geprägt war: „Auch der Denktrieb ein Lebenstrieb.“