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Der Mann, dessen festlichen Tag wir heute ehrfürchtig begehen, er ist einer der seltenen unserer unzulänglichen Zeit, dem die Gnade des schöpferischen Gedankens gegeben war. Gedanken sind überall, doch fast immer ohne Fruchtbarkeit: eine große Stadt, ein Land, schüttet es nicht millionenfach in jeder Stunde Ideen, Meinungen, Ansichten wahllos aus
seinen labyrinthisch gedrängten Gehirnen, die Bücher, die Broschüren, reden sie nicht Myriaden Worte allstündlich zu uns? Aber alles dies schwemmt die nächste Stunde, die Sekunde meist schon, in die Gosse der Vergessenheit. Zwischen diesen unzählbaren Atomen jedoch, diesen totgeborenen Worten und Meinungen entstehen manchmal — selten freilich, so selten wie das Geniale auf Erden erscheint — in einer einzelnen geistigen Gehirnzelle ein paar Gedanken, die dauerhaft sind, und durch diese Dauer keimkräftig geistige Gebilde, an die sich andere unselbständigere Ideen anranken, wie Efeu an den tiefgeschichteten Stamm, Ideen, die selbst wieder Ideen zeugen, Ahnherren neuer, geistiger Geschlechter, die hinausreichen über unseren eigenen Atemzug. Solche Ideen und nur solche verändern heimlich (erst die nächste wird es dankbar gewahr) die Mentalität einer Epoche, sie geben ihr Stempel und Zeugnis aufsteigender Verwandlung. Und dieser Stempel ist allemal in eines Einzigen oder in der Wenigen Hand.
Solche schöpferische, keimwirkende Gedanken entgehen dem Falsch und dem Richtig, die Diskussion kann sie nicht erreichen, denn das Schöpferische ist immerdar richtig. Sie wirken ebenso, indem sie Begeisterung, wie dadurch, daß sie Widerspruch erzeugen. Sie hemmen den Stillstand des Denkens, sie durchbrechen den erstickenden Kreis, in den sonst jede Generation unweigerlich geriete, indem sie über sich selbst hinausdeuten, Tangente zur Unendlichkeit. Nur wer geistige Bewegung schafft, dient im Letzten der Mission der Menschheit; weithin über Wahrheit und Irrtum, diesen unsicheren, nie völlig faßbaren Phantomen, dient er ihrem höchsten Sinn.
So