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Aus dem „Berliner Tageblatt“ vom 28. Dezember 1925.
Der geistreichste unter den Schülern des großen, genialen Sigmund Freud, Dr. Siegfried Bernfeld (seit kurzem in Berlin ansässig), hat da den Pädagogen ein Büchlein gewidmet, das sie hoffentlich lesen und sobald nicht vergessen werden (erschienen im Internationalen Psychoanalytischen Verlag in Wien), Ich meinerseits glaube, daß seit langem im fragwürdigen Bereich der Pädagogik keine wichtigere Erscheinung zu verzeichnen war, als diese Schrift. Übrigens auch keine bei allem bitteren Ernst witzigere und vergnüglichere. Ja, es handelt sich schon um eine ernste Frage, nämlich um die Vorfrage aller Erziehung: ob denn Erziehung überhaupt möglich sei, und wie weit ihre Wirkung reiche. Das ist die Frage, um die sich die Pädagogik bekanntlich mit Eleganz herumzudrücken pflegt. Aber schon die Biologie, die Vererbungslehre, könnte einen recht bedenklichen pädagogischen Determinismus und also Pessimismus begründen. Wenn des Menschen Substanz mit seinem Keimplasma gegeben ist, wo liegt da die Grenze zwischen seiner Beeinflußbarkeit und seiner unveränderlichen Grundstruktur? Was an, von und in ihm kann man allenfalls verändern, und was nicht? Diese Frage ist noch gar nicht exakt gestellt worden, geschweige denn beantwortet, und wer weiß, ob sie je beantwortet werden kann. Die biologische Einschränkung der Erziehbarkeit ist es nun aber nicht, was Bernfeld untersucht, sondern die psychologische und die soziologische. Er will eine Kritik der Erziehung liefern etwa in dem Sinne, wie Kant eine Kritik des Denkens geliefert hat. Er bestreitet, daß die Wissenschaft von der Erziehung, die Pädagogik, bisher überhaupt eine Wissenschaft gewesen ist. Er zeigt, wie alle die berühmten pädagogischen Systeme nichts mit Wissenschaft zu tun haben, sondern im Grunde Dichtung sind, und es braucht nicht gesagt zu werden, daß er, der Psychoanalytiker, auch von der modernen, angeblich psychologischen Grundlegung der Pädagogik nichts hält, da sie sich nur