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In seiner Schrift „Psychologische Beobachtungen an griechischen Philosophen“ (Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien 1924) versucht Prof. Gomperz Fragen, die sich auf den eigentümlichen philosophischen Lehrgehalt des Parmenides und des Sokrates beziehen, im Wege der psychologischen Ausdeutung gewisser Beobachtungen über die geistig-leibliche Veranlagung und Entwicklung der beiden Philosophen zu beantworten. In der Studie über Parmenides wird besonders die Theorie seines Lehrgedichtes über die Geschlechtsbestimmung analysiert. Die Liebe für das „weibliche Weib“, die Schilderung kleiner Hände und Füße, zarten Teints, niedergeschlagene Augen usw. als Kennzeichen des wahren, also des begehrenswerten Weibes, die Darstellung des weiblichen Geschlechtes als des geistig begabteren, und auf der anderen Seite die Ablehnung dieser von der Geschlechtsliebe beherrschten Welt als einer bloßen Ausgeburt menschlichen Wahns, fordern tatsächlich zur näheren psychologischen Betrachtung des Philosophen heraus, In der Studie über Sokrates wird zunächst seine Anlage, unbewußt Gedachtes wie Fremdes von außen zu vernehmen, untersucht, dann die Eigenarten seines Liebeslebens, die Beziehung zur Gattin, zu den öffentlichen Dirnen und insbesondere zu mädchenhaften Knaben (damit zusammenhängend auch zum Lehramte) und dann im besonderen die für die Entwicklung des leidenschaftlichen Erkenntnisdurstes, des Idealismus und des Unabhängigkeitsdranges bei Sokrates entscheidende psychische Einstellung zu den athenischen Handwerksmeistern, welche Einstellung — wie Gomperz darlegt — schließlich zum U