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Die nachfolgenden Ausführungen sind der kleinen Monographie Ranks „Die Don-Juan-Gestalt“ (Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien 1924, geheftet M. 2·80, Pappband 3·40) entnommen. Die hier abgedruckten Abschnitte der Don-Juan-Studie berühren im besonderen auch das Doppelgängermotiv, das Otto Rank auch in einer besonderen Arbeit analysiert („Der Doppelgänger“, Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien 1925, geheftet M. 4.—, Ganzleinen 5·60).
Indem wir, unserer Einstellung folgend, die Aufmerksamkeit von der überragenden Figur des Don Juan ablenken, fällt uns an seinem nicht minder berühmten Diener Leporello ein Zug auf, der auf einem kleinen Umweg doch wieder zum Helden zurückführt. Dieser Diener ist einerseits viel mehr Freund und Vertrauter in allen Liebeshändeln und anderseits doch wieder kein freiwilliger Kumpan und Helfer, sondern eine feige, ängstliche, nur auf ihren Vorteil bedachte Bedientenseele. In seiner ersten Eigenschaft erlaubt er sieh kritische Bemerkungen, die durchaus unangemessen sind („Das Leben, das Sie führen, ist das eines Taugenichts!“), fordert — und erhält vielleicht auch — einen Anteil an der Beute seines Herrn in natura; in seiner zweiten Eigenschaft sucht er furchtsam jeder Gefahr auszuweichen, verweigert alle Augenblicke den Dienst, ist nur mit Geld und Drohungen festzuhalten und, um das Bild des Bedienten ganz zu vervollständigen: er nascht sogar beim Servieren von den guten Bissen der Festtafel.
Man könnte sagen: wie der Diener, so der Herr und darauf hinweisen, daß Don Juan selbst ihm diese Freiheiten einräumt, weil er ihn braucht. So vor der berühmten „Register“-Arie: als Donna Elvira den Helden zur Rede stellt, entzieht er sich dieser peinlichen Situation und schiebt Leporello vor. Noch ehe sie sich's recht versieht, ist der geschickte Abenteurer verschwunden und an seiner Stelle liest ihr Leporello das Register der Verlassenen