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Das neue Buch von Reich „Die Funktion des Orgasmus“ („Neue Arbeiten zur ärztlichen Psychoanalyse“, Bd. VI, geh. 10 M, Ganzleinen 12 M) ist ein Beitrag sowohl zur allgemeinen Psychopathologie als zur Soziologie. In seinen acht Kapiteln behandelt es den neurotischen Konflikt, den Begriff und die Problematik der orgastischen Potenz, die psychischen Störungen des Orgasmus (insbesondere den onanistischen Koitus und die Zersplitterung des Orgasmus bei akuter Neurasthenie, bei Nymphomanie usw.), den Zusammenhang von körperlicher Libidostauung und Angstaffekt, die psychoneurotischen Schicksale der Genitallibido, die Abhängigkeit des Destruktionstriebes von der Libidostauung und — im letzten Kapitel — die soziale Bedeutung der genitalen Strebungen. Diesem letzten Kapitel entnehmen wir — mit einigen Kürzungen — die folgenden Abschnitte.
Beim Tiere kommt der Destruktionstrieb nur als oraler Vernichtungstrieb im Dienste der Selbsterhaltung zum Vorschein oder er dient der Verteidigung des Lebens. Das fleischfressende Raubtier vernichtet geeignete Objekte, wenn der Hunger es fordert. In der Menagerie lebende Raubtiere sind ungefährlich, wenn sie völlig satt sind. Ihre Aggressivität Fremden gegenüber entspricht einer instinktiv geahnten Gefahr; das beweist ihr gegenteiliges Verhalten gegen den Dompteur. Etwas dem phallischen und analen Sadismus des Menschen (Erstechen, Erschießen, Durchbohren; Schlagen, Zerquetschen, Zertreten) Ähnliches kommt nicht vor.
Der Destruktionstrieb des Menschen zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß seine Ziele nicht biologisch notwendig sind, und er gleicht in dieser Hinsicht ganz der Wildheit mancher Tiere, die nicht zur Sexualbefriedigung gelangen können. Insofern ist er das Gegenstück (und die Folge) der menschlichen Zivilisation und Kultur, die sich ihrerseits auf der Unterdrückung und Sublimierung der Sexualität aufbauen. Seine weiteren Schicksale werden von der sozialen Umgebung und von der Anpassungsfähigkeit des Individuums entscheidend bestimm