You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Von den Abhandlungen Reiks, die in dem Bändchen „Wie man Psychologe wird“ vereinigt sind, handelt eine von der „psychologischen Bedeutung des Schweigens“, Wir geben hier einige Bruchstücke aus dieser Studie wieder.
Der Wert schweigender Aufmerksamkeit ist gewiß von der klassischen Psychiatrie sowie von der angewandten Psychologie immer geschätzt worden. Aber man muß nur an die Fragenmethoden dieser Wissenschaften denken, um den Unterschied zwischen dieser und der Methode der Psychoanalyse zu würdigen. Wie Saussure mit Recht hervorhebt, hat man niemals vor Freud den unzusammenhängenden Monolog einerseits und das fast absolute Schweigen des Arztes anderseits als methodisches Prinzip aufgestellt.
Gehen wir von der Wirkung, welche das Schweigen des Analytikers auf den Patienten ausübt, aus, so meinen wir, seinen latenten Sinn am besten erraten zu können. Wir haben hier sogleich eine Gelegenheit zur Selbstkorrektur, wir würden besser sagen: von den Wirkungen. Denn es sind verschiedenartige, nicht nur in bezug auf die Mehrheit der Individuen, die sich der Analyse unterziehen, sondern diese Wirkungen sind im Laufe einer und derselben Analyse selbst verschieden. Im psychischen Leben desselben Patienten hat das Schweigen des Analytikers in dieser und jener Situation einen verschiedenen Charakter, bekommt eine differente Bedeutung.
Es ist vor allem bemerkenswert, daß der Patient diesem Schweigen überhaupt eine bestimmte gefühlsmäßige Bedeutung zuschreibt: er würde sich nicht dazu verstehen, zuzugeben, daß es einfach das natürliche und notwendige Verhalten des Analytikers sei, der schweigen muß, um aufmerksam zuzuhören. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle hat das Schweigen des Analytikers besonders am Anfang eine wohltuende, beruhigende