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Aus der im Herbst 1927 erscheinenden Arbeit „Dogma und Zwangsidee. Eine psychoanalytische Studie zur Entwicklung der Religion“ von Theodor Reik. (Geheftet M. 550, Ganzleinen M. 7.—).
In den Mechanismen der Verschiebung, wie wir sie eben in der Dogmenentwicklung dargestellt haben, hat sich nicht nur die Verallgemeinerung des andauernden Zweifels, seine Ausdehnung über alles und jedes ausgewirkt. Neben diesen und anderen unbewußten Zielen wie denen der Isolierung,
der Loslösung vom Ursprünglichen und der Unkenntlichmachung gegenüber dem Bewußtsein ist auch der große Anteil des unbewußten Hohnes in den Verschiebungsvorgängen erkennbar.
Die Bedeutung der unbewußten Verhöhnung tritt in dem intellektuell ausgearbeiteten Zweifel nicht auffällig hervor, aber die analytische Auflösung der Zwangsideen, welche den dogmatischen Meinungen so nahestehen, eröffnen uns den Zugang zu ihrer psychologischen Erfassung. Es wird zu zeigen sein, daß noch in der Formulierung des Dogmas unbewußte Hohntendenzen nachweisbar sind. Wir wollen hier von den zwangsneurotischen Zweifeln ausgehen. Das Bedürfnis nach Zweifel im Seelenleben der Zwangskranken findet seine Erfüllung in der Unsicherheit, welche am Ende jede Sache und jede Aktion ergreift. Die unbewußte Tendenz, jede Sicherheit zu vermeiden, ringt unaufhörlich mit den gegnerischen Strebungen, die größtmögliche und genaueste Sicherheit zu gewinnen. Dem Bedürfnis nach Unsicherheit und Zweifel dient es auch, wenn die Zwangskranken sich mit Vorliebe mit Themen beschäftigen, in deren Natur es liegt, daß wir nichts von ihnen wissen können, mit der Abstammung vom Vater, mit der Lebensdauer von Verwandten und Freunden, mit der Frage der Unsterblichkeit. Die Analogien mit den religiösen Erscheinungen gehen hier bis in die Einzelheiten:1 wir haben gehört, wie es bedeutsame Fragen für die Kirche geworden sind, in welcher Art Christus vom Vater abstamme, ob er aus dem Nichts geschaffen sei, ob er immer beim Vater war usw. Man kann wie über die