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Im Jahre 1828 schrieb Balzac an die Herzogin von Abrantès:1 „Ich habe den seltsamsten Charakter, den ich kenne. Ich studiere mich selbst, wie ich einen anderen studieren könnte. In meinen
fünf Fuß zwei Zoll vereinige ich alle Zusammenhanglosigkeiten, alle möglichen Gegensätze, und wer von mir meint, ich wäre eitel, verschwenderisch, eigensinnig, leichtsinnig, ohne Stetigkeit im Denken, geckenhaft, nachlässig, faul, unachtsam, ohne Überlegung, ohne jede Ausdauer, geschwätzig, taktlos, schlecht erzogen, unhöflich, mürrisch, launenhaft — der wird ebenso Recht haben wie jene, die sagen würden, ich sei sparsam, bescheiden, mutig, hartnäckig, energisch … arbeitsam, ausdauernd, schweigsam, voller Feinheit, höflich, immer heiter … Nichts wundert mich mehr an mir selbst.“ In dem Roman „La peau de chagrin“, in dem er seine eigenen Leiden schildert, läßt er Raphael sagen: „Obwohl ich weibisch die orientalische Trägheit liebte, verliebt in meine Träume und sinnlich war, habe ich immer gearbeitet, mir versagt, die Genüsse des Pariser Lebens auszukosten. Ich war eine Schlemmernatur und doch nüchtern. Ich liebte die Bewegung und Seereisen, wünschte Länder zu sehen, fand Vergnügen daran, wie ein Kind Kieselsteine aufs Wasser prallen zu lassen, und bin unaufhörlich mit der Feder in der Hand sitzen geblieben … ich habe auf meinem Lager einsam wie ein Mönch vom Orden des heiligen Benedikt geschlafen, und dabei war das Weib immer mein einziger Traum … kurz, mein Leben war eine grausame Antithese und eine immerwährende Lüge.“
Aus diesen größten, scheinbar unvereinbaren Widersprüchen in Balzacs Leben und Charakter möchte ich die in seinem Liebesleben etwas näher beleuchten.
Er ist bestrebt wie ein Mönch zu leben, arbeitet mit Vorliebe in der Kutte eines Benediktinermönches, seine Phantasien aber gehen andere Wege, z. B. in der Novelle „Le succube“ (aus „Contes drô