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Im folgenden geben wir die einleitenden und die abschließenden Sätze einer Arbeit Pfisters wieder, die im November 1928 im „Internationalen Psychoanalytischen Verlag“ in Wien, unter dem Titel „Psychoanalyse und Weltanschauung“ (Geh. M. 5.60, Ganzleinen M. 7.—) erscheint. (Im Anhang enthält dieses Buch unter dem Titel „Die Illusion einer Zukunft“ eine „freundschaftliche Auseinandersetzung“ mit Freuds „Zukunft einer Illusion“.)
Schon lange bevor die Höllenreiter des Krieges, der Pest, des Hungers und des Todes den Acker der Menschheit vor unseren Augen verwüsteten, dröhnte der Schrei nach Leben durch die Gegenwart. Ihm voran gingen einzelne Seufzer und Klagen, ein sehnendes Mitternachtslied einsamer Denker und Träumer. Ein Tolstoj und Dostojewsky, ein Oskar Wilde, Maurice Maeterlinck und Romain Rolland redeten als Propheten des Lebens zu ihrem Geschlecht; ein Rudolf Eucken baute sein „personales Lebenssystem“, in welchem Naturalismus und Intellektualismus ihren lang getragenen Purpur mit dem Arbeiterkittel vertauschen müssen und der seiner Eigenart bewußte, schöpferisch wirkende, innerlich reiche Geist den Thron besteigt; ein Henri Bergson schrieb seine Lebensphilosophie, in welcher der bisher so stolze Intellekt es sich gefallen lassen soll, daß ihn das ewig Weibliche der Intuition zu den wahren Lebenshöhen hinanzieht. Es ist sicher kein Zufall, daß gleichzeitig mit dem Kampfe gegen den Intellektualismus die Auflehnung gegen Industrialismus und Kapitalismus, dieser praktische Kreuzzug zur Eroberung von Leben anhebt, denn hüben und drüben, in Denken und Gesellschaftsleben, handelt es sich um dieselbe Not: Die Knebelung der Gemütsansprüche; nur die Richtungen, in welchen der Lebensdrang des Gelehrten und der des Wirtschafters Ersatz für ihr verlorenes Gut suchten, waren verschieden.
Aus dem Lebenshunger ging auch die Psychoanalyse hervor. Es