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Nach einem am 26, Februar 1928 im Rahmen des vom Lehrausschuß der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung veranstalteten Zyklus „Psychoanalyse und Geisteswissenschaften“ gehaltenen öffentlichen Vortrag.
Wir fragen uns, welche Auswirkungen von der Psychoanalyse auf das Lebensgefühl des modernen Menschen gestaltend ausgegangen sind und noch ausgehen mögen; in erster Linie auf den Kreis derer, die ihrem Einfluß am konzentriertesten ausgesetzt sind, sei es, daß sie einmal in ihrem Leben gleichsam den Brennpunkt des psychoanalytischen Strahlenbündels passiert haben, sei es, daß sie ständig mehr oder weniger in seiner Nähe leben; in weiterer Folge sodann die Wirkungen in Schichten, die entfernter vom eigentlichen Lebenskreise der Psychoanalyse ihren Einfluß in immer dünneren Filtraten erfahren. Allein zuerst ist eine Vorfrage zu beachten. Psychoanalyse ist eine Wissenschaft; wie vermag Wissenschaft überhaupt auf Lebensstil und Lebensgefühl zu wirken? Wissenschaft ist ja, nach einem schönen Gleichnis von Walter Rathenau, nur eine Landkarte; sie zeigt uns, wo Gebirge und wo Tiefland ist, wo Urwald und wo Zivilisation, doch in welche der Gegenden, die sie uns beschreibt, wir reisen sollen, das vermag sie uns nicht zu weisen.