You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Aus dem im Herbst 1928 im „Der Neue Geist-Verlag“ in Leipzig erscheinenden Sammelwerk „Krisis der Psychoanalyse“ (Bd. I: „Auswirkung der Psychoanalyse in Wissenschaft und Leben“, herausgegeben von Dr. Hans Prinzhorn, Frankfurt a. M. Preis M 18.—), mit Genehmigung des Herausgebers und des Verlags.
Von Einwirkungen der Psychoanalyse auf die Forschung in den sogenannten exakten Naturwissenschaften, kann wohl nicht die Rede sein. Es können sich psychologische Probleme am Einzelindividuum darbieten, das diese Forschungen betreibt; es wurde auch schon auf manche interessante Beobachtung hingewiesen, welche besondere theoretische Vorstellungen mit individuellem Traumleben oder allgemeiner verbreitete Gedankengänge mit tieferen unbewußten Schichten verknüpft; man denke etwa an alchimistische Vorstellungen, Homunkulus, an die Sexualisierung chemischer Vorgänge, etwa des Destillierens und dergleichen. Es scheint durchaus glaubhaft, daß hier in wissenschaftlichen Fragen unbewußte Vorgänge zum Ausdruck drängen, wie im Kunstwerk oder bei den psychologisch leichter erfaßbaren Erscheinungen. Aber wir sprechen von einer exakten Wissenschaft doch erst, seit sie die Umklammerung durch diese psychisch bedingten Gedankenketten gesprengt hat, seit keine sexuellen Vorstellungen für chemische Vorgänge, keine menschliche Bedeutungen für den Lauf der Gestirne angenommen werden.
Der Forscher ist ein Mensch, seine Gedanken sind im Unbewußten verankert, wie die Gedanken anderer Menschen auch, seine Fähigkeiten und Leidenschaften, seine psychische Energie fließt aus demselben Libidostrom; hier liegen psychologische Probleme. Aber das wissenschaftliche Ergebnis ist unabhängig davon, ist vollständig abtrennbar von seinem Schöpfer und bedarf zu seiner Erfassung keiner verwandten unbewußten Erlebnisse im aufnehmenden Menschen. Ohne Shakespeare und ohne Vaterkomplex