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Das Sonderheft „Onanie“ der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik“ (II. Jg., Heft 4/5/6, Preis M. 2.50) enthält 26 Beiträge; aus der Reihe der allgemein-theoretischen Aufsätze dieses Sammelheftes geben wir den folgenden wieder.
Die Wertung der Onanie bei Ärzten und Nichtärzten ist in den letzten hundertfünfzig Jahren starker Wandlung unterworfen. Kant spricht an der Wende des achtzehnten Jahrhunderts von der „wollüstigen Selbstschändung“, er verwirft dies „Laster“ aufs schärfste und spricht überhaupt dem Menschen das Recht ab, seine Geschlechtseigenschaften der bloßen tierischen Lust zu widmen, für ihn ist die Selbstschändung noch schlimmer als Selbstmord, schon deshalb, weil man von letzterem sprechen könne, von ersterer nicht oder nur mit Beschämung. Zur Zeit Kants hatte ein berühmter Arzt, Tissot, ein Buch über Onanie veröffentlicht, in dem er viele Krankheiten aufzählte, die von der Onanie herrühren Sollten, ein Buch, das auf Ärzte und Nichtärzte einen nachhaltigen Eindruck machte. Er ist auch der Schöpfer des Wortes „Onanie“. Theologen, Ärzte, Pädagogen waren der Meinung, daß Onanie eine seltene, nur bei abnorm veranlagten Menschen auftretende Unart sei, und