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Bruchstücke aus dem Roman „Die Falschmünzer“ (übersetzt von Ferdinand Hardekopf). Mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart.
Sophroniska hat mit mir wieder über Boris gesprochen, den sie zu einem völligen Geständnis gebracht zu haben meint. Das arme Kind hat in seinem Innern nicht mehr den kleinsten Winkel, wo es sich vor den Blicken der Doktorin verstecken könnte; es ist nun aus dem letzten Zufluchtsort verdrängt worden. Sophroniska hat das gesamte Räderwerk seines geistigen Organismus auseinandergenommen und im hellsten Lichte ausgebreitet, wie ein Uhrmacher die einzelnen Teile des Uhrwerks, das er reinigen will, auf seinem Arbeitstisch ausbreitet. Wenn der Knabe, nach so viel forschender Bemühung, nicht „richtig schlägt“, so wäre es allerdings mit Sophroniskas Latein zu Ende … Sie hat mir folgendes erzählt:
Als Boris etwa neun Jahre alt war, kam er aufs Gymnasium in Warschau. Dort schloß er sich besonders an einen Mitschüler aus derselben Klasse an, einen gewissen Baptistin Kraft, der ein oder zwei Jahre älter war, als er selbst. Dieser Baptistin weihte ihn in geheime Praktiken ein, in „magische“ Künste, wie die Knaben es nannten. Als „Magie“ empfanden die naiv verzauberten Kinder ihr Laster, weil sie gehört oder gelesen hatten, die Magie erlaube, auf geheimnisvolle Weise in den Besitz dessen zu gelangen, was man begehre, sie verleihe unbegrenzte Fähigkeiten usw. Sie glaubten wirklich ein Geheimnis entdeckt zu haben, das über ein reales Fernsein durch imaginäre Gegenwart hinwegtröstete; sie schwelgten in Selbsttäuschung und berauschten sich an einem Vacuum, das einer überreizten, lustgenährten Phantasie tausend märchenhafte Visionen bot. — Natürlich hat Sophroniska sich dieser Ausdrücke nicht bedient; ich hätte gewünscht, daß sie mir die Äußerungen des Knaben wörtlich berichtet hätte, aber sie behauptet, daß sie das Mitgeteilte (für dessen unbedingte Richtigkeit sie jedoch einstehen könne) erst aus einem Knäuel von Verheimlichung,