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Es gibt Frauen, die den Vater ihrer Kinder verlassen, weil sie ihn nicht als Mitbesitzer ihrer Kinder anerkennen wollen. Sie wollen Mütter sein, aber nicht Gattinnen. Solche Frauen haben nach psychoanalytischen Erfahrungen regelmäßig eine starke homosexuelle Komponente. Häufig ziehen sie mit anderen Frauen zusammen und gestatten diesen ein Anrecht auf ihr Kind, das sie dem leiblichen Vater entzogen haben. Das Problem ist unlösbar. Man kann nicht Mutter werden ohne Zuhilfenahme männlichen Einflusses. Im mystischen Gewande allerdings ist dieses Problem gelöst worden. Die unbefleckte Empfängnis, die Madonna mit ihrem Kinde ist ein Ideal, das von der Kunst aller Zeiten verherrlicht worden ist. Die Maler, welche den Typus der jungfräulichen Mutter geschaffen haben, werden wir heute im Lichte des Oedipus-Komplexes zu verstehen haben. Sie sehnen sich nach ihrer eigenen Mutter, die nicht mehr in den fürchterlichen Händen des Vaters sich befindet, sondern mit dem Kinde allein ist. Freud sieht dieses Geheimnis in dem Lächeln um die Lippen von Leonardo da Vincis Frauen spielen. Es ist, als ob sie sagen wollten: „Es geht auch ohne den Vater. Du, mein Kind, und ich, bilden ein heimliches Paar. Das ist ein Geheimnis, von dem niemand außer dir und mir etwas weiß.“ — An Raffaels Madonnen ist von diesem Lächeln nichts zu finden. Sie sind erleuchtet von der ruhigen Sicherheit, daß sie recht tun. Die Mutter ist nicht narzißtisch, sondern hat ihr Interesse auf etwas außerhalb ihres eigenen Ichs konzentriert. Sie ist schön, aber sie ist sich ihrer Schönheit nicht bewußt. Die Schönheit der Mutter gleicht der Schönheit in der Natur, der von Tieren, Bäumen, Bergen und Seen. Wir finden diese Art von Schönheit auch bei Frauen, die weniger durch ihre leiblichen Kinder, als durch ihre geistigen berühmt sind. Die geistige Schönheit