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Während Freud selbst angibt, daß Goethe auf seine Jugend entscheidenden Einfluß genommen habe1), ist er sich nicht so klar bewußt, wie sehr auch die Philosophie seiner Zeit, die ganz ungoethisch war, seinen wissenschaftlichen Werdegang von Anfang an bis zum heutigen Tage beherrscht. Das Hauptkennzeichen der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts war die Verachtung aller spekulativen Philosophie und deren Ersetzung durch „metaphysische Bedürfnislosigkeit“, die man noch nicht einmal Materialismus nennen kann. Denn Materialismus ist immerhin eine philosophische Richtung, die zugibt, daß jenseits des mit unseren Sinnen Erfaßbaren noch eine Welt existiert, die mit unseren Sinnen nicht erfaßbar ist und dennoch hohe Werte enthalten mag. Aber die „philosophischen“ Lehrer jener Zeit waren durch die beleidigende Theorie Darwins, daß der Mensch ein etwas klügerer Affe sei, so sehr außer Rand und Band geraten, daß sie die Selbständigkeit, ja das Vorhandensein einer geistigen Welt völlig leugneten. Das Gehirn sei eine Drüse wie die Leber oder die Niere und unser Denken und Trachten sei — höchst einfach, beinahe selbstverständlich — das Sekret dieser Drüse wie Galle oder Urin. Fragen nach dem Unrationalen des Lebens, nach der Vernunft unzugänglichen Teilen unseres Wesens wurden entweder als unwissenschaftlich verboten oder die Fragenden wurden zur Geduld gemahnt. Der Mensch sei eine