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Aus der Zweimonatsschrift „Hippokrates“, Zeitschrift für die Einheitsbestrebungen der Gegenwartsmedizin“ — mit Genehmigung des Verfassers und des Hippokrates-Verlages in Stuttgart.
In seinem neuen Werke sagt Freud, daß Andere die tiefsten Einsichten mühelos heraufholen, zu denen sich seinesgleichen „durch qualvolle Unsicherheit und rastloses Tasten den Weg zu bahnen haben“. Es liegt eine erschütternde Bescheidenheit in diesem Bekenntnis. Aber dem Werke selbst merkt man keine Unsicherheit mehr an; wie alle vorausgegangenen, wurde es erst spät nach der Konzeption veröffentlicht, nachdem es lange an erneuten Erfahrungen geprüft worden war. Die Darstellung gibt wohl das rastlose Tasten wieder. Von allen Seiten werden die Probleme der Triebschicksale in der Kultur zu lösen versucht. Überreich an scharfen Bemerkungen und kurzgefaßten Lösungen vieler Fragen ist das kleine Buch.
Die dem Autor wichtigsten Thesen, derentwillen das Werk geschrieben wurde, sind folgende zwei: erstens die Existenz des Todestriebes und zweitens die Zurückführung des Schuldgefühls auf die aggressiven Triebe. Die erste These stellt dem Gegensatz von Sexual- und Ichtrieben den Gegensatz von Eros und Todestrieb gegenüber. Die zweite widerspricht der Auffassung, daß jede Triebversagung das Schuldgefühl steigere. „Nun liegt es nahe, den Satz zu formulieren: wenn eine Triebstrebung der Verdrängung unterliegt, so werden ihre libidinösen Anteile in Symptome, ihre aggressiven Komponenten in Schuldgefühl umgesetzt. Auch wenn dieser Satz nur in durchschnittlicher Annäherung richtig ist, verdient er unser Interesse.“
Es sind das so gewichtige Anschauungen, daß die Psychoanalytiker erst sie durchdenken und anwenden müssen, um zu ihnen Stellung zu nehmen. Der Forscher — und Forscher heißt