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Aus dem im Sommer 1930 im Internationalen Psychoanalytischen Verlag in Wien erschienenen neuen Buche von Helene Deutsch: „Pychoanalyse der Neurosen“ (Elf Vorlesungen, gehalten am Lehrinstitut der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung: geheftet M. 7.—, Ganzleinen M. 9.—). Das Buch behandelt in der Einleitung die Rolle des aktuellen Konfliktes in der Neurosenbildung, im ersten Hauptteil die Hysterie (die häufigsten Typen der Konversionssymptome: Nachtangst, Bettnässen, Potenzstörungen, Lähmungen, Sprachstörung, Freßlust, Anfälle und Dämmerzustände), im zweiten Teil verschiedene Angstzustände der Phobie (u. a. Fälle von Hühnerphobie, Platzangst usw.), in einem dritten Teil die Zwangsneurose (Zwangszeremoniell und Zwangshandlungen, Zwangsvorstellungen) und in einem Anhang die depressiven Zustände der Melancholie.
Die Patientin hatte bis zu ihrer Verheiratung, im zwanzigsten Lebensjahr, an keinerlei Symptomen gelitten. Ihre Ehe war nicht gerade unglücklich und nur die Kinderlosigkeit dieses Bündnisses gab ihr Anlaß zu Depressionen. Nach dreijähriger Ehe starb der Mann. Die Patientin teilt von nun an die Wohnung mit einer verheirateten Freundin und suchte in ihrem Berufe (sie war Chemikerin) und in sublimierten Beziehungen zu Frauen Trost in ihrer Einsamkeit. In den letzten Jahren lebte sie in einer „ménage à trois“, in einer Ehe zu dritt, d. h. sie hatte ein Verhältnis mit dem Manne dieser Freundin. Die Vorgeschichte dieses Dreiecks war die, daß unsere Patientin zuerst in herzlicher, aber in keiner Weise bewußt sexueller Bindung zur Freundin stand. Die Intimität der Freundschaft brachte es mit sich, daß die Freundin sich mit der Patientin über die für sie und ihren Mann unbefriedigende Ehe aussprach. Diese Freundin arrangierte selbst bewußt und aktiv die Situation so, daß zwischen der Patientin und dem Mann sexuelle Beziehungen entstanden.