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Aus dem im Verlag Walter de Gruyter & Co., Berlin, erschienenen Buche „Die Askese“ von Kristian Schjelderup, das die Askese und die damit zusammenhängenden religions-psychologischen Probleme auf psychoanalytischer Grundlage behandelt, geben wir (mit Genehmigung des Verlags und des Verfassers) mit einigen Kürzungen einen Abschnitt des Kapitels über die „Wirkungen der Askese“ wieder. Dr. Schjelderup ist Dozent der Theologie an der Universität Oslo; seine Untersuchung stützt sich nicht allein auf die asketische Literatur, sondern auch auf persönliche Beobachtungen in katholischen Klöstern Mitteleuropas, in Brahmanen- und Buddhistenklöstern in Indien, China, Japan usw. und auch auf die von ihm vorgenommene Analyse eines Einsiedlermönches aus dem Orden der Augustiner. Die (protestantischen) kirchlichen Vorgesetzten Schjelderups in Norwegen haben ihm wegen seiner Beschäftigung mit der Psychoanalyse die Ausübung des Seelsorgerberufes untersagt. (Man vgl. auch das Referat „Askese und Sadomasochismus“ in „Die psychoanalytische Bewegung“, I. Jg. , S. 193 ff.)
Im Leben der meisten Asketen scheinen Träume und Visionen einen breiten Raum einzunehmen. Man erzählt von visionären Erlebnissen fast sämtlicher großen heiligen Asketen der altchristlichen Kirche; ebenso von zahlreichen anderen zu den verschiedensten Zeiten innerhalb des Christentums wie auch in anderen Religionen. Die Asketen glauben selbst, daß in solchen Erlebnissen „übernatürliche“ Wesen ihnen erscheinen: teils göttliche (wenn sie den bewußten religiösen Wünschen des Asketen entsprechen, wie z. B. bei Anna von Klingnau, die das liebliche kleine Jesuskind sieht, wie es kommt und sich zu ihr setzt), teils teuflische (wenn sie im Gegensatz zum bewußten Frömmigkeitsleben stehen, wie z. B. bei Hieronymus, der mitten in der Wüste in Roms Wollust schwelgt). Indessen wurde es den Asketen nicht immer leicht, zu unterscheiden, ob das Erlebnis von Gott oder vom Teufel kam. Sie wußten ja, daß der Teufel ihnen oft in Engelsgestalt