You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Als „Beiheft der Zeitschrift für angewandte Psychologie“ (herausgegeben von William Stern und Otto Liepmann im Verlag von Johann Ambrosius Barth in Leipzig) erschien soeben: „Trieb und Tradition im Jugendalter, Kulturpsychologische Studien aus Tagebüchern“ von Dr. Siegfried Bernfeld. Preis Mark 9.60. Mit Genehmigung des Autors und Verlags geben wir hier einen Abschnitt des Buches wieder.
Maria war eine „schlechte“ Tagebüchlerin. Ihr Tagebuch (Fertigtagebuch1) mit 58 beschriebenen Seiten) reicht bei recht großer Schrift von ihrem 9;3 Jahr bis zum 12;11. Es endet in feierlicher Schrift mit dem Vorsatz: „Hiermit beschließe ich feierlich mein erstes Tagebuch, mit dem billigen Wunsch, daß das zweite nicht mit Abständen von 3 Jahren geführt werde! Maria.“ Aber dieser Vorsatz wird nicht eingehalten (Maria ist jetzt 21 Jahre alt). Das Büchlein hat ein von der Mutter gezeichnetes Titelblatt: „Marias Tagebuch von der Mutter. 1. November 1918.“ Der Inhalt des Tagebuchs weist nichts besonderes auf; nach Hedwig Fuchsens2) Ausrechnungen wäre es als frühreif zu erklären. Uns interessiert der kurze Atem der Schreiberin, die viermal mit jahrelangen Pausen ansetzt, ehe sie zu einer regelmäßigen Führung über einige Wochen hin gelangt. Wir möchten gern wissen, was sie veranlaßt, immer wieder anzufangen, was sie hemmt fortzusetzen. Maria vermag keine Auskunft darüber zu geben; sie sagt, sie hätte gern Tagebuch geführt,