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an die Redaktion der „Vossischen Zeitung“ am 6. Mai 1931.
Sie haben recht, einen Gruß und Glückwunsch an Sigmund Freud zu seinem fünfundsiebzigsten Geburtstag von mir zu verlangen. Die aufrichtigste Bewunderung für den großen Forscher im Menschlichen und sein Wahrheitsrittertum gehört längst zu meinem inneren Bestande. Ja, er hat viel von Dürers Ritter zwischen Tod und Teufel, auf den Nietzsche anzuspielen scheint, wenn er von einem anderen Verwandten Freuds, von Schopenhauer, sagt: „Ein Mann und Ritter mit erzenem Blick, der den Mut zu sich selber hat, der allein zu stehen weiß und nicht erst auf Vordermänner und höhere Winke wartet.“ Er hat nie Rücksicht darauf genommen, daß der Mensch nur vernimmt, was ihm schmeichelt, hat nicht mit dem Frommen von der Tugend Lohn gesprochen, mit Ixion von der Wolke, mit Königen vom Ansehen der Person und von Freiheit und Gleichheit mit dem Volke. Er hat Illusionen zerstört, die Menschheit mit Erkenntnissen skandalisiert, deren radikaler Naturalismus ihre „Würde“ zu bedrohen schien, und Widerstände hervorgerufen, deren Gründe ihm offen lagen. Aber alle Kritik an seinem Werk — ich meine natürlich jene Kritik, die nicht über die Analyse hinaus, sondern hinter sie zurückwill — hat etwas unendlich Müßiges und Steriles, auch da noch, wo sie recht hat, und es ist schwer zu verstehen, daß diejenigen, die