You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Wir entnehmen diese Zeilen der von Siegfried Jacobsohn gegründeten, von Carl v. Ossietzky und Kurt Tucholsky tapfer geleiteten, gehaltvollen und lebendigen Wochenschrift „Die Weltbühne“; sie sind dort anfangs Mai 1931 — anläßlich des 75. Geburtstags Freuds — erschienen.
Die Gesamtausgabe der Freudschen Schriften ist da. Elf Bände, die die Welt erschütterten.
Einer der wenigen Männer, die diesen Mann richtig sehn, scheint Freud zu sein. Mit dem Lorbeergemüse seines Ruhmes kann er die faulen Äpfel seiner Tadler garnieren, und wenn er weise ist, sieht er die Schar seiner Schüler an und denkt sich sein Teil. Lassen wir die schlechten Schüler, halten wir uns an die guten und halten wir uns an ihn.
Es ist das Schicksal der Wahrheiten, hat Schopenhauer gesagt, daß sie erst paradox erscheinen und dann trivial. An Freud ist das genau zu studieren. Die Gesamtausgabe seiner Schriften zeigt aber noch etwas anderes.
Langsam beginnt sich das Fleisch von diesem Werk zu lösen, das Zufällige, das Alltägliche — und es bleibt das Skelett. Wir können nicht sehen, was davon noch im Jahre 1995 erhalten sein wird, und ob überhaupt noch etwas erhalten sein wird, nämlich in der Form, die er ihm gegeben hat. Fortwirken wird es, das kann man sagen. Er hat eine Tür aufgemacht, die bis dahin verschlossen war.
Es gibt Partien in diesen elf Bänden, besonders in den