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Wir entnehmen diesen Aufsatz dem Juniheft 1931 der in Genf erscheinenden von der „Union Internationale de Secours aux Enfants“ (U. I. S. E.) herausgegebenen „Revue Internationale de l'Enfant“. — Von Aichhorns Buch „Verwahrloste Jugend“ ist soeben im Internationalen Psychoanalytischen Verlag, Wien, die 2. Auflage (mit einem Geleitwort von Sigmund Freud) erschienen. (Geheftet Mark 6.—, in Ganzleinen Mark 8.—)
Wie wäre ich glücklich gewesen, in meiner Jugend jemals einem Lehrer, einem Freund, einem Mann wie Aichhorn begegnet zu sein! Einem Manne, von dem ein derartiger Liebesstrom ausgeht, daß er es freilich leicht hat, alle Kinder wirklich zu verstehen. Weil er weiß, daß das Recht ihrer Entwicklung auf ihrer Seite ist. Daß es nur darauf ankommt, auf die Logik und damit auf das Recht ihrer tiefen, geheimen und schmerzensreichen Leiden zu kommen, um diese auch schon zu rechtfertigen. Er versteht das Bedürfnis der Jugend, die Wirklichkeit ganz einfach über den Haufen zu werfen und sofort, ohne Zeitverlust, das Reich des Paradieses zu errichten. In dem Maße des Verstehens dieser jugendlichen Ansprüche vermag er Manchem die Anpassung an diese Wirklichkeit bedeutend zu erleichtern.
Wer ist August Aichhorn? August Aichhorn ist Direktor einer Wiener Fürsorgeabteilung. Der schon seit vielen Jahren — von der sogenannten großen Öffentlichkeit ziemlich unbemerkt — seine durch Freud geschulte Erziehungstätigkeit ausübt. Und der erst vor kurzem auf der Dresdener Tagung der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft etwas davon erzählte. Der Autor dieses Aufsatzes hatte das Vergnügen, sowohl diesen Vortrag Aichhorns in Dresden zu hören, als auch seinen Urheber bereits vor Monaten in Wien kennen gelernt zu haben.
Es genügt, diesen Menschen zu sehen, um es ihm zu glauben, daß er mit dem Verwahrlostesten, der längst schon von der