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Nach einem Vortrag in der „Wiener Psychoanalytischen Vereinigung“ im Februar 1931
Bekanntlich haben nach dem Weltkrieg die Siegervölker dem „unbekannten Soldaten“ Denkmäler errichtet, pietätvolle Schauzeichen zur Erinnerung an jeden namenlos in der Masse untergegangenen Helden.
In gewisser Analogie dazu gebrauche ich den Namen „unbekannter Neurotiker“ im Gegensatz zum sattsam bekannten und beschriebenen Neurotiker. Der wirklich erkannte Neurotiker gilt als Kranker, wird geschont oder behandelt, er kann keinen Schaden anrichten, gilt nicht als Vorbild usw. Wird er mit Erfolg behandelt, so erfreut er sich dauernder Gesundheit, ist arbeits-, liebes- und genußfähig geworden. Dankt er dies der Psychoanalyse, so hat diese in ihm einen dankbaren und aufrichtigen Vorkämpfer gefunden.
Das Schicksal der unerkannten oder unbekannten Neurotiker ist ein anderes: sie bleiben, was sie sind, gelten als normale Abarten des homo sapiens, werden zum Vorbild genommen, niemand hilft ihnen.
Es gibt ja mehr unbekannte Neurotiker, als nur den — Hagestolz. Man denke, wie sehr eine überängstliche Mutter leidet, und wieviel Unheil sie in der Erziehung anrichtet, wie sie Generationen zum gleichen Ängstlichsein anregen kann.
Wenn Freud schon vor vielen Jahren hervorgehoben hat, daß „wir uns der Einsicht nicht verschließen können, daß das Liebesverhalten des Mannes in unserer heutigen Kulturwelt überhaupt den Typus der psychischen Impotenz an sich trägt“, so gehört auch dieser unbekannte Neurotiker hieher.
Und wenn Wilhelm Reich nach Befragung zahlreicher jugendlicher