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Aus dem Jahrgang 1931 (Band XVII) der von Sigm. Freud herausgegebenen „Imago, Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Natur- und Geisteswissenschaften“. (Jährlich 4 Hefte im Gesamtumfang von ca. 560 Seiten; Jahresabonnement Mark 22.—.)
Es war auch in alten Zeiten keine Alltäglichkeit, daß Kinder von ihren Eltern in den Wald geführt und dort dem Hungertode überantwortet wurden. In dem Märchen von Hänsel und Gretel ist zwar in Rücksicht auf seinen guten Ausgang der Wunscherfüllungscharakter offenkundig, aber man muß doch fragen, woher der sonderbare und unheimliche Inhalt des Märchens stammt, der Weg, auf dem es zu der endlichen Wunscherfüllung gelangt. Der Psychoanalytiker kann nicht annehmen, daß es lediglich die Absonderlichkeit eines Schicksales und das mit ihm konfrontierte Gefühl der Geborgenheit in einer normalen, von elterlicher Güte behüteten Kindheit ist, die die Wirkung dieses Märchens ausmacht. Bei der weiten Verbreitung des Märchens, von dem Hänsel und Gretel in der Grimm sehen Fassung ja nur ein einzelnes, freilich überaus einprägsames Beispiel darstellt, muß man vielmehr annehmen, daß es tiefere Motive sind, durch die diese Wirkung erzielt wird, Motive, die hinter der manifesten naiven Ausdrucksweise verborgen sind und ihre Kraft aus unbewußten Quellen schöpfen.
Es sei gestattet, die in dem Märchen enthaltenen Motive im Anschluß an die vergleichende Studie in den „Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm“1 im Nachstehenden auseinanderzulegen.
A) Die Kinder werden von den Eltern im Walde verlassen. Grund: Hungersnot.