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Ansprache des Verfassers an die Medical Section der British Psychological Society, anläßlich seiner Wahl zum Vorsitzenden dieser Gesellschaft. Abgedruckt aus dem British Journal of Medical Psychology, ol. XII, Part I, 1932. Übersetzt von Walter Eck.
Als Toren geboren,*) erwerben wir später Sittlichkeit und werden endlich dumm und unglücklich. Dann sterben wir. Dieser Ablauf — die Geschichte des Menschen in der Zivilisation — ist unserer Eigenliebe so wenig angenehm, ist, bei allem Wechsel in den Grundlagen der Kultur, bei aller Vielfalt ihrer Formen, in seiner offenkundigen Strenge für unsere Eigenliebe so quälend, daß die Menschheit immer wieder im Mythos Zuflucht in ihrer Unsicherheit und Trost in ihrem Leid gefunden hat.
Die Geschichte der Kultur ist zu einem großen Teil Bericht über diese Mythen, über die der Vergangenheit und über die unserer Tage. Unter Mythos ist hier eine Konstruktion gemeint, die von den Anhängern einer großen sozialen Bewegung — oder wenigstens einer Bewegung, die sie für groß halten — angenommen wird. Diese Bewegung darf man sich als einen großen Kampf zwischen den Anhängern des Mythos und ihren Gegenspielern vorstellen, als einen Kampf, in dem jene ihres endlichen Sieges gewiß sind. Ein Mythos muß nicht falsch und muß durchaus nicht ohne Wert für die Menschheit sein. „Religion“, sagt Renan, „ist notwendiger Betrug. Auch die plumpste Art, Sand in die Augen zu streuen, darf nicht verachtet werden, wenn man es mit so törichten Lebewesen wie den Menschen zu tun hat, mit Lebewesen, die für den Irrtum geboren sind und die, wenn sie die Wahrheit