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In mehreren, nahezu unwillig anmutenden Bemerkungen hat der Schöpfer und unerschrockenste Denker der Psychoanalyse festgestellt, daß die Begriffe männlich und weiblich für die Psychologie nur dürftigen Inhalt haben. Sie sind kein Problem für den Anatomen, den Biologen und den Gesetzgeber. Ebensowenig für den gewöhnlichen Sprachgebrauch und für das praktische Leben. Die Psychoanalyse aber sieht sich derzeit gezwungen, dafür in grober Annäherung die Vorstellungen von plus und minus oder von aktiv und passiv einzusetzen. Alles Stoßende, Vordringende sei männlich, alles Aufnehmende, Duldende sei weiblich. Da das Benehmen wirklich lebender Männer und Frauen dieser asketischen Definition nicht entspricht, berufen wir uns in der Psychoanalyse auf das alles Lebendige durchdringende Gesetz der Bisexualität und verweisen so unsere eigene Definition aus dem Reiche der Wirklichkeit in das der Abstraktionen. Wir nehmen männliche und weibliche Tendenzen an, die nur in verschiedenen Graden der Vermischung vorkommen, wie die Radikale der organischen Chemie. Die Entmischung und gesonderte Betrachtung einer männlichen als aktiven und einer weiblichen als passiven Tendenz leistet uns gute analytische Dienste. Wir laufen aber doch Gefahr, gerade dort zu verarmen, wo die Psychoanalyse immer ihr Höchstes geleistet hat, nämlich dort, wo wir der erlebenden Erfassung des psychischen Lebens genugtun wollen.
Schon der „gesunde Menschenverstand“ sträubt sich gegen eine mathematische Definition von männlich und