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Der folgende Aufsatz ist dem Ende 1932 im Internationalen Psychoanalytischen Verlag erschienenen Werke „Die Psychoanalyse des Kindes“ entnommen. Preis in Leinen Mark 12.—, geheftet Mark 10.—.
Eine der großen Leistungen der Psychoanalyse war die Entdeckung, daß das Kind eine Sexualität besitzt, die sowohl in direkter Sexualbetätigung wie auch in sexuellen Phantasien zum Ausdruck kommt.
Wir wissen, daß die Säuglingsmasturbation eine allgemeine Erscheinung ist, daß aber auch die Masturbation bis zur Latenzzeit, wenn auch in verschiedenem Ausmaß, überaus häufig auftritt. Allerdings erwarten wir, ihr auch schon beim kleinen Kinde nicht offenkundig zu begegnen. In der Vorpubertät, insbesondere in der Pubertät, ist die Masturbation wieder eine sehr häufige Erscheinung. Die Entwicklungsperiode, in der die Sexualbetätigung des Kindes am stärksten nachläßt, ist das Latenzalter. Die Erklärung hiefür sehen wir darin, daß mit dem Abklingen des Ödipuskomplexes die Triebansprüche geringer werden. Dagegen ist noch ungeklärt, weshalb wir die Latenzzeit vorwiegend unter dem Drucke des Abgewöhnungskampfes gegen die Masturbation finden. Freud schreibt: „Während der Latenzzeit scheint die Abwehr der Onanieversuchung als Hauptaufgabe behandelt zu werden.“ Dies spricht dafür, daß das Drängen des Es im Latenzalter doch nicht in dem Maße nachgelassen hat, als angenommen wird, oder daß der Druck des Schuldgefühls gegen die Forderungen des Es sich verstärkt hat.