You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Aus der „Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik“, Jahrgang VI. (Jährlich zwölf Hefte im Gesamtumfange von etwa 560 Seiten. M. 10.—.)
Gerti ist eine siebenjährige Patientin, die wegen hartnäckigen Daumenlutschens und anderer Schwierigkeiten längere Zeit in Behandlung war. Sie ist außerordentlich schwer zum Sprechen zu bringen, hat aber die Fähigkeit, ihre Gedanken in sehr durchsichtigen Handlungen zu äußern. Im folgenden ein Beispiel für ihr Verhalten. Ich fange an, mit ihr zu spielen, und wähle Knips, ein Spiel, bei dem jeder der beiden Mitspieler eine Anzahl kleiner runder Steine hat, die er auf die Steine des Gegners springen läßt, um sie „totzumachen“ und wegzunehmen. Gerti sitzt mir gegenüber auf einem kleinen Sessel. Sie benimmt sich sehr still und wohlerzogen. Ich lasse sie die Wahl zwischen den roten und schwarzen Steinen des Spieles treffen. Sie sagt: „Nimm du die Schwarzen, nein, die Roten!“ Wir fangen an zu spielen. Jedesmal, wenn sich einer meiner Steine in einer gefährlichen Situation befindet, dirigiert sie den ihren entweder weit über meinen hinaus oder in die entgegengesetzte Richtung, so daß ich immer gewinnen muß. Nach einer Weile sage ich beiläufig: „Mit dir spielt es sich ganz komisch. Die anderen Kinder, mit denen ich spiele, wollen immer gewinnen.“ Sie antwortet nichts, aber sie gewinnt die nächsten sechs Spiele, ohne je einen meiner Steine zu verfehlen.
Bei einer Wiederholung desselben Spiels am andern Tag will sie nur die gelben und grünen Steine benützen. Im Verlauf des Spieles wird sie aufgeregt, steht auf und verfolgt jeden einzelnen Zug mit gespannter Aufmerksamkeit.