You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Vorgetragen am XIII. Internationalen Psychoanalytischen Kongreß in Luzern (26. bis 31. August ) und erschienen in „Imago, Zeitschrift für psychoanalytische Psychologie, ihre Grenzgebiete und Anwendungen“, Band XX, 1934.
Meine Damen und Herren!
Wenn ich das Epos über Don Quijote als Krankengeschichte eines Geisteskranken behandeln sollte, würde ich ihr folgende Anamnese vorausschicken. Alonso Quijano, ein kleiner Edelmann in der spanischen Provinz La Mancha, verliebte sich als überreifer Mann in Adonza Lorenzo, die Bauernmagd aus Toboso. In dieser Liebesbeziehung war unser braver Mann kein großer Held. Im Laufe von zwölf Jahren, in denen sein ganzes Herz von Liebessehnsucht erfüllt war, wagte Alonso kaum viermal, in das Antlitz der Ersehnten zu schauen, und schien jedesmal von einer solchen Schüchternheit und Angst befallen gewesen zu sein, daß es zu einer männlichen Werbung kaum kommen konnte. Umsomehr entflammte sich seine Phantasie und spiegelte ihm als Ersatz für die sichtlich stark gestörte Potenz die kühnsten und aktivsten Beweise seiner Männlichkeit vor.
Die spärliche Lebensgeschichte Alonsos zeigt uns, daß schon die Wahl seines Liebesobjektes manches von seinen Schwierigkeiten erklären dürfte. Die brave Magd von Toboso war ihres Zeichens eine Landbrünhilde, von der die Chronik erzählt, daß sie „eine Stimme hatte für drei und Eisenstangen warf, wie der stärkste Bursch im ganzen Orte“.