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Nach einem am S. April 1933 im Institut für Psychoanalyse in Chicago gehaltenen Vortrag, der zuerst in „The Psychoanalytic Quarterly“, Vol. II, 1933, p. 592 ff. zum Abdruck gelangt ist. Übertragen von Walter Eck.
Eine Methode, die Eigenart der Menschennatur zu erforschen, kann nicht zu verläßlichen Ergebnissen führen: es ist die, Menschen über ihre eigene Persönlichkeit zu befragen. Und dennoch setzen viele ernsthafte Psychologen und Soziologen noch immer in diese Methode Vertrauen und wenden sie an, indem sie Fragebogen an Tausende von einzelnen Menschen versenden. Der Soziologe, der diese Methode anwendet, um das Vorhandensein bestimmter psychologischer Züge in Gruppen von Menschen nachzuweisen, kennt den elementarsten Charakterzug der menschlichen Natur nicht: er besteht darin, daß die Menschen sich selbst nicht kennen. Wir dürfen hoffen, daß die Handlungen der Menschen charakteristischer für sie sind als ihre Meinungen über sich. Handlungen sind in der Tat verläßlicher als Worte, und Fragebogen, die sich auf das Verhalten beziehen, würden — wenn es eine Gewähr für die Richtigkeit der Antworten gäbe — interessantere Ergebnisse liefern. Andererseits aber enthüllt die Beobachtung des manifesten Verhaltens selbst nicht die wirkliche Vorliebe des Menschen; denn zu einem großen Teil verhalten sich Menschen nicht, wie sie sich eigentlich verhalten möchten, sondern so, wie man es von ihnen erwartet. Der einzige Weg, um über die Natur des Menschen etwas zu erfahren, mag theoretisch der sein, Leute — sagen wir für die Zeit eines Jahres — auf den Analysier-Diwan zu legen, um in der analytischen Situation verläßliche Auskünfte zu sammeln;