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Aus dem Buche „Talleyrand. Napoleon, Stendhal, Grabbe. Psychoanalytisch-biographische Essays“. Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien 1935.
In Stendhals Selbstbiographie — La vie de Henri Brulard —, die Henri Beyle im Jahre 1835 im Alter von 52 Jahren in Rom und Civita Vecchia verfaßte, findet sich eine Schilderung der Beziehung des Knaben zur Mutter:
„Meine Mutter, Henriette Gagnon, war eine reizende Frau, und ich war verliebt in meine Mutter. Ich beeile mich, hinzuzufügen, daß ich sie verlor, als ich sieben Jahre alt war. Als ich sie liebte, mit sechs Jahren vielleicht , hatte ich ganz denselben Charakter wie im Jahre 1828, als ich in Alberte de Rubemprè rasend verliebt war. Meine Art, auf die Jagd nach dem Glück zu gehen, hatte sich im Grunde gar nicht geändert, außer in einem einzigen Punkte. Ich war in dem, was das Körperliche der Liebe ausmacht, in derselben Lage, wie Cäsar, wenn er wieder auf die Welt käme, hinsichtlich des Gebrauchs der Kanonen und der Kleinfeuerwaffen sein würde. Ich hätte es sehr schnell erlernt, und das hätte nichts an meiner Taktik geändert. Ich wollte meine Mutter mit Küssen bedecken, und es sollten keine Kleider da sein. Sie liebte mich glühend und küßte mich oft. Ich gab ihr ihre Liebkosungen mit solchem Feuer zurück, daß sie oft genötigt war wegzugehen. Ich verabscheute meinen Vater, wenn sein Kommen unsere Küsse unterbrach. Ich wollte sie ihr immer auf die Brust geben … Ich meinerseits war so verbrecherisch wie möglich, ich war toll verliebt in ihre Reize.“
Dieser selbstgeschilderte intendierte Inzest hat begreiflicherweise den Stendhal-Biographen viel zu schaffen