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Aus einer in Vorbereitung befindlichen Sammlung „Der ferne Klang“.
Es sind mehr als fünfzehn Jahre her, daß ich in Berlin bei Reinhardt ein Schauspiel „Die Juden“ von einem mir unbekannten russischen Autor Eugen Tschirikow sah. Es schildert das Leben der Bevölkerung des jüdischen Ansiedlungsrayons in Nordrußland um die Wende dieses Jahrhunderts. Der Handlungsumriß steht nur mehr undeutlich vor mir. Die Personen haben in der Erinnerung wenig Persönliches. Die drei Akte spielen in der Wohnung des Uhrmachers Leiser Fränkel. Der Alte wird bald allein stehen: sein Sohn hat sich den revolutionären Sozialisten angeschlossen, die Tochter hat sich einem christlichen Studenten gegeben. Der Kampf zwischen den Generationen wird hier umso erbitteter geführt, als der Familiensinn dieser Menschen tiefer, inniger, zäher ist als sonstwo.
Von der Erinnerung wird der Augenblick festgehalten, da die Nachricht kommt, im Nachbarstädtchen seien Judenpogrome ausgebrochen. Verschwommene Eindrücke: wie der Lärm stärker wird, das Geschrei einer fanatisierten und verhetzten Menge zum Brüllen anschwillt, wie sich die Angst der verzweifelnden Menschen im Uhrmacherladen steigert, bis der Pöbel wie eine Sturmflut einbricht, alles zerstörend und mordend, die sterbende Tochter vergewaltigt, die Männer niederschlägt, und wie zuletzt, da alles vernichtet ist, die Kosaken anreiten und den Mob zerstreuen.
Der Eindruck dieser dramatischen Szenen war stark. Er war nicht im gleichen Maße nachhaltig. Der Erinnerung erscheinen auch die Gestalten nur mehr als