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Einleitung des Buches „Zur Menschenkenntnis. Ein psychoanalytischer Wegweiser für den Umgang mit sich und anderen“. Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien 1936. Das Buch enthält folgende Kapitel: I. Allgemeines; II. Das Ich im vertrauten Umgang; III. Die anderen - auf Distanz gesehen. - Im Anhang; IV. Familie - mit und ohne Liebe; V. Vom Glück - ohne Angabe der Adresse.
Es heißt gewöhnlich, unsere Menschenkenntnis werde dadurch getrübt, daß wir die anderen Menschen zu sehr nach uns selbst beurteilen. Das mag im Grunde und im ganzen richtig sein, im Einzelfall ist es meistens falsch, und das Gegenteil läßt sich oft erweisen, nämlich, daß der Irrtum daher stammt, daß man die anderen nicht genug nach sich selbst beurteilt. Freilich sucht man, wie das Sprichwort sagt, den Dieb hinter dem Strauch, hinter dem man sich selbst versteckt hat, aber man sucht ihn doch auch oft genug gerade dort nicht, weil man an den Teil des eigenen Ichs, den man versteckt hat, nicht gerne erinnert sein will.
Man beurteilt andere nach sich selbst und tut es mit einiger Berechtigung in den Dingen des gemeinen Nutzens, des direkten ökonomischen Vorteils. Der Wunsch, billig zu kaufen und teuer zu verkaufen, Gewinn zu suchen und Verlust zu meiden, ist eine allgemeine Voraussetzung, auf die sich bauen läßt. Aber ist das Streben nach Gewinn wirklich so ausschließlich, so allgemein herrschend, wie man uns erzählt? Wird der materielle, ökonomische Gewinn, der mittelbar zur Befriedigung der Bedürfnisse und Wünsche der Menschen führt, dem unmittelbaren Lustgewinn regelmäßig vorangestellt? Wie oft und wie weit handeln wir in den „praktischen“ Dingen rein praktisch und vernunftgemäß? Wieviel Nebenmotive