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Wir geben hier einen Vortrag wieder, der vom Autor im Akademischen Verein für medizinische Psychologie in Wien im Juni 1936 gehalten wurde.
M. D. u. H.! In dem reichhaltigen Programm dieses Vereins, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle psychologischen Probleme, die für den Studierenden der Medizin von Interesse sind, zur Besprechung zu bringen, fehlte bisher merkwürdigerweise ein Vortrag über das psychologische Problem der Prüfung. Das ist sehr auffallend, wenn man weiß, wie sehr sich die studentischen Leiter dieses Vereins immer bemühen, gerade Themen, die den Studenten angehen, zur Sprache zu bringen. Sollte etwa für die Kollegen, die an der Programmbildung aktiv beteiligt sind, die Prüfung nie auch ein seelisches Problem gewesen sein? Sollte diese Lücke im Programm des Vereins darauf zurückzuführen sein, daß unsere heutige Studentengeneration keine Prüfungssorgen kennt? Das ist bestimmt nicht der Fall. Es muß also tiefere Gründe haben, wenn hier über Prüf imgsangst und Prüfungsneurose bisher nicht gesprochen wurde. Einer der Gründe wird wohl der folgende sein: Wenn die Studenten zu den Vorträgen dieses Vereins kommen, tun sie es, um sich zu bilden, um von Dingen zu hören, deren Kenntnis von ihnen nicht verlangt wird. Das ist ja das Schöne, das diese Vorträge hier miteinander gemeinsam haben: der Student hört auf akademischem Boden von Dingen, die nicht geprüft werden. Warum sollte man sich also hier einen Vortrag über Prüfung anhören, wo man doch hergekommen ist, um sich von der Not der Prüfungen zu erholen? Und dann — die Studenten haben offenbar das Gefühl, daß sie keine