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Ich denke, daß das, was ich über die psychoanalytischen Sitzungen gesagt habe, auch für die Erfahrung des Lesens psychoanalytischer Arbeiten gilt. Freuds Texte sollte man lesen und >vergessen<. Nur auf diese Weise ist es möglich, die Bedingungen herzustellen, unter denen, wenn man etwas das nächste Mal liest, die Entfaltung weiterer Entwicklung angeregt wird. Nur mit den besten Texten hat man die Zeit, so zu verfahren; aber diese besten Texte haben zugleich die Kraft, einen zu defensivem Lesen zu animieren (worum geht es in dem Text), anstatt den Text in sich selbst zu erfahren - was ich an anderer Stelle Transformation unter K genannt habe, im Gegensatz zu Transformation unter O.
(Bion, Second thoughts, 1967, S. 156)
Offensichtlich haben wir alle unterschiedliche Lesarten von Bions Aufsätzen, Büchern, Seminaren und Vorträgen. Auch verstehen wir sie jeweils anders, wenn wir sie mehr als einmal gelesen haben, zumal in unterschiedlichen Phasen unserer Entwicklung als Analytiker. Seit über dreißig Jahren befasse ich mich nun mit Bions Gedanken, habe sie gelesen und wiedergelesen und in Seminaren und study groups, sowohl in meinem eigenen Land als auch in der psychoanalytischen Welt (u. a. Japan, Australien, Israel etc.), diskutiert und gelehrt. Und immer wieder staune ich, wenn ich beim Wiederlesen eines seiner Texte eine neue Bedeutung finde und plötzlich etwas begreife oder entdecke. Übrigens bin ich davon überzeugt, daß die Lektüre oder das Studium kreativer Autoren - nicht nur psychoanalytischer - innere Veränderungen fördert und geistiges Wachstum unterstützt. Natürlich befasse ich mich nicht nur mit Bions Werk, denn auch Freud, Klein, Meltzer, Winnicott und andere Autoren sind ein wichtiger Teil meines klinischen und theoretischen Interesses und gehören zu denjenigen, über die ich schreibe und lehre.
Bei meiner Lehrtätigkeit mache ich normalerweise etwas, das ich vergleichende Metapsychologien nenne. Wenn ich beispielsweise gebeten werde, einen Vortrag oder ein Semi