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Es gibt mittlerweile ein wachsendes Interesse an interdisziplinären Aspekten bei dem Versuch, die Ursachen von Völkermorden sowie deren Konsequenzen für die Traumatisierten zu verstehen. Studien über die Affektregulierung der Opfer und insbesondere über die psychischen Erfahrungen von Kindern im Anschluss an Völkermorde sind jedoch bis heute innerhalb der Forschung unterrepräsentiert.
Von der »Survivors of the Shoah Visual History Foundation« wurden mit Video aufgenommene Tiefeninterviews durchgeführt. Als Koordinatorin für dieses Projekt in Schweden ist dieses Archiv für mich eine einmalige Forschungsressource. Mein Ziel ist es, für die psychologischen Phänomene in den Lebensgeschichten von Überlebenden, die während der Völkermorde Kinder gewesen waren, Indikatoren zu finden und zu analysieren. Sowohl durch meine Arbeit in der psychoanalytischen Praxis wie durch meine Forschungen im Rahmen einer interdisziplinären universitären Abteilung2 hoffe ich, das Wissen über Kinder und Extremtraumatisierungen erweitern zu können.
Geweckt wurde mein Interesse, als ich mit zwei Frauen, die den Holocaust überlebt hatten, Tiefeninterviews durchführte. Beide waren zum Zeitpunkt der Besetzung ihrer Vaterländer acht Jahre alt gewesen. Bei der Frage, ob sie Kinder haben wollten oder nicht, schien die Traumatisierung ein zentraler Faktor zu sein, denn sie sorgten aktiv dafür, selbst keine Kinder zu bekommen. Eine von ihnen, Anna, sagte mit lauter Stimme: >Ich habe zweimal abgetrieben, weil ich selbst ein Kind war.<3 Diese Aussage war der Ausgangspunkt für einige bis heute