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Seit einem Jahrzehnt gibt es im psychoanalytischen Diskurs einen zunehmend breiter werdenden neurowissenschaftlichen Trend. Neben der Tatsache, dass neuropsychoanalytische Schriften und Aktivitäten sowohl hinsichtlich ihres Ausmaßes als auch ihrer Popularität rasch anwachsen, zeigt sich dieser Trend auch in der von führenden analytischen Denkern und bei offiziellen Gelegenheiten vertretenen Überzeugung, dass die Neurowissenschaften wertvoll oder sogar notwendig für die Entwicklung der Psychoanalyse seien. Sie zu ignorieren bedeute, sich an analytische Theorien und Praktiken zu klammern, weil man die Tatsache fürchte, dass es in der Macht der modernen Neurowissenschaften liege, diese Theorien und Praktiken zu bestätigen oder zu entkräften (Kernberg 2004; Mayes 2003). Es bedeute, Einsichten in mentale Vorgänge zu verleugnen, die von vitalem Interesse für die Psychoanalyse seien und folglich eine tiefgreifende neue Vision von Theorie und Praxis abzulehnen, die aus der Vereinigung verschiedener Disziplinen im Entstehen begriffen sei, vielleicht sogar früher als gedacht (Sacks [Internet]). In der Tat ist der Ton manchmal prophetisch1, seine Herkunft Respekt einflößend und seine Anziehungskraft weit verbreitet. Als über tausend Psychoanalytiker den leuchtenden Bildern der farbenfrohen Positronenemissionstomographie-(PET)-Scans Beifall zollten, die der Hauptredner und namhafte Kognitionsforscher Prof. Antonio Damasio in seinem Eröffnungsvortrag auf dem 44. IPA-Kongress 2004 zeigte, war die Vormachtstellung des aktuellen