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Bei einer Diskussion während der IPA-Tagung in Santiago stellte Dale Boesky (2000, S. 260) John Steiner (2000) die Frage, ob er sich eigentlich einer »etwas saloppen Ausdrucksweise« bediene, wenn er sage, seine Patienten deponierten ihre Gefühle in ihm.
Die Frage zeigt, wie viel Unsicherheit es nach wie vor bei diesem theoretischen Konstrukt namens >projektive Identifizierung< gibt und unterstreicht dessen Herkunft aus der Alltagssprache, auch wenn das Konzept seit mittlerweile 60 Jahren in der Fachliteratur präsent ist und unterschiedliche theoretische Schulen es für ihre klinische Arbeit übernommen haben, die sich zum Teil deutlich von der Schulrichtung unterscheiden, in der es ursprünglich entwickelt wurde. In der Überschrift eines Briefes von Massida (1999, S. 365) wird eine ähnliche Unsicherheit angesprochen: »Werden wir je die ganze Wahrheit über die projektive Identifizierung wissen?« Vielleicht ist die »ganze Wahrheit« ehrlich gesagt unerreichbar, doch kommt man um die Feststellung nicht herum, daß die uns bei diesem Thema zugängliche »Wahrheit« immer noch schwer zu definieren ist. Fast jeder Autor, der etwas über projektive Identifizierung veröffentlicht hat, weist darauf hin, dass der Begriff eine Vielzahl von Situationen bezeichnen soll, was den wissenschaftlichen Diskurs nicht gerade erleichtert: »zu viel verschiedene Dinge von zu viel verschiedenen Autoren unter zu unterschiedlichen Bedingungen« (Kernberg , S. 93).
In dieser Arbeit möchte ich versuchen, die »zu vielen verschiedenen Dinge«, die als projektive Identifizierung bezeichnet werden, inhaltlich zu benennen.
Mit diesem Ziel vor Augen meldete sich bei mir der Wunsch, mich mit den ursprünglichen Formulierungen des Konzepts auseinanderzusetzen, auch weil die »Bemerkungen über einige schizoide Mechanismen« (Klein 1952a1) - in denen der Begriff >projektive Identifizierung<