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Freuds ausgewiesener Standpunkt zum Umgang mit der »Übertragungsliebe« enthielt die Empfehlung zur Abstinenz, Objektivität und sogar zur »Gefühlskälte des Analytikers«. Seine Abhandlung zu Jensens Gradiva jedoch lässt eine Identifikation mit einer teilnehmenden und entgegenkommenden »mütterlichen« analytischen Position erkennen, wie sie von Theoretikern wie Ferenczi, Balint und Winnicott vertreten wird. Diese Autoren führen den Ursprung der Übertragungsliebe auf die präödipale Phase zurück und formulieren ihr analytisches Modell auf der Basis der frühen Objektbeziehung zwischen Mutter und Kind. Freud hatte im Allgemeinen Schwierigkeiten, sich mit einer solchen Position zu identifizieren, da diese eine Beschäftigung mit seinen eigenen inneren weiblichen Aspekten nach sich gezogen hätte. Eine literarische Analyse seiner Gradiva erweist jedoch, dass Freud ebenso in seiner Wiedergabe von Jensens Novelle wie in ihrer Analyse diese Haltung selbst einnimmt. Freuds Darstellung der Erzählung drückt nicht nur eine Identifikation mit Zoe, der Protagonistin der Geschichte, aus, sondern idealisiert auch ihr »therapeutisches« Verhalten, das dem Sinne nach den Objektbeziehungstheoretikern näher steht. Seine implizite Botschaft besagt, wenn auch unbeabsichtigt, dass ein idealer Umgang mit der Übertragungsliebe in einer Art psychischer »Hochzeit« des analytischen Paars gipfelt, einer Metapher, die von Winnicott gebraucht wurde, um das Wesentliche der frühen Mutter-Kind-Bindung (ebenso wie der Bindung zwischen Analytiker und Analysand) zu beschreiben. Freuds Lektüre entspricht Zoes »therapeutischer« Haltung insofern, als beide eine kreative und teilnehmende Interaktion mit dem Text bzw. dem Patienten vollziehen.