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Die Schweizer Psychoanalytikerin Marcelle Spira (1910-2006) hinterließ nach ihrem Tod 45 bis heute unveröffentlichte Briefe Melanie Kleins, die sie zwischen 1955 und 1960 erhielt und sorgsam aufbewahrte. Es sind die einzigen heute bekannten Briefe Kleins, die sie an psychoanalytische Kollegen richtete. Inhaltlich geht es um die Begegnungen der beiden Frauen in Genf und London; um Übersetzungsfragen, als Spira und andere einige Arbeiten und Bücher Kleins ins Französische übersetzten, wobei deutlich wird, welch großen Wert Klein auf möglichst gute Übersetzungen legte, die sie auch selbst korrigierte; um Spiras schwierige Situation in der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse nach ihrer Rückkehr aus Argentinien, in der Klein sie sehr unterstützte; um Spiras eigene Arbeiten und nicht zuletzt um einige persönliche Angelegenheiten und Familienereignisse.
Diese Briefe sind nicht nur von großem historischem Interesse, wie der Autor kenntnisreich darlegt. Sie zeigen auch, wie sich aus einer kollegialen Begegnung zwischen den beiden Frauen eine von Herzlichkeit geprägte freundschaftliche Beziehung entwickelte, und darüber hinaus enthalten sie, was für den Autor der wichtigste Aspekt an diesen Briefen ist, zwischen den Zeilen ein anrührendes Selbstporträt Melanie Kleins aus ihren letzten Lebensjahren.
Antje Vaihinger