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So wie der Traum unterbricht auch der Film unser alltägliches Verhältnis zu Raum und Zeit, indem er das Bewusstsein in eine konstruierte Fantasiewelt hinein verschiebt, was beträchtliche Regeländerungen in Bezug auf die Realität mit sich bringen kann. Im Film wird unser Zeitgefühl durch die erzählte Geschichte kontrolliert sowie durch die verschiedenen filmischen Techniken, die den Erzählstrom lenken, wie etwa Rückblenden, Montage und die im Schneideraum erzeugte rhythmische Struktur. Diese Schlüsselrolle der Zeit für das cineastische Erleben veranlasste den großen russischen Regisseur Andrej Tarkowski dazu, den Film als eine »Skulptur in der Zeit« zu bezeichnen. Der Dokumentarfilm ist der temporalen Dynamik des Geschichtenerzählens weniger verpflichtet, dennoch wollen auch Dokumentationen eine Botschaft vermitteln. Da sie geringeren Beschränkungen hinsichtlich der Abfolge von Vorher und Nachher unterliegen, steht die Dokumentation der Redekunst näher als dem Erzählen, obgleich auch hier Reihenfolge und Rhythmik eine wichtige Rolle für das Verstehen spielen. Als ein Dokumentarfilm weist Die Große Stille keine narrative Struktur auf, doch fehlen ihm auch die temporalen Eigenschaften, die wir von einer Dokumentation erwarten. Der Film erzeugt eine Zeitlichkeit, die bereits die Botschaft zu sein scheint, so als wäre er ein Traum, der daraus besteht, sich selbst zu träumen.
Die Karthäuser-Mönche des Klosters Grande Chartreuse, die Protagonisten des Films, leben jenseits unserer Welt der Digitaluhren und übervollen Terminkalender, und für die Dauer des Films haben wir Teil an ihrem Zeiterleben. Sanft wird der Zuschauer von den ruhigen, sich wiederholenden Ritualen des Lebens der Mönche in den Bann gezogen, die sich in einer von jeglicher Modernität nahezu unberührten Welt vollziehen. In diesem Prozess wird die Zeit auf wirkungsvolle Weise aufgeweicht und gedehnt, und jene Eigenschaften