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Die heutige französische Psychoanalyse lässt sich meines Erachtens als durchaus vielfältig und lebendig bezeichnen. Um ein klares Bild der gegenwärtigen psychoanalytischen Landschaft zu geben, muss man in die 1950er Jahre zurückgehen. In den enthusiastischen Nachkriegsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg blühte die Psychoanalyse in Paris auf. Damals war sie stark von der Ich-Psychologie beeinflusst, die Loewenstein aus Wien mitgebracht hatte. In der 1926 von Freud und Marie Bonaparte gegründeten Pariser psychoanalytischen Gesellschaft (Societé Psychanalytique de Paris, SPP) gab es einige starke Persönlichkeiten wie Sacha Nacht, Daniel Lagache und - einen jungen Analytiker mit Namen Jacques Lacan.
Lacan war begabt und charismatisch. Sein Talent und seine Kultiviertheit machten ihn sehr anziehend. Er schrieb, lehrte und hatte viele Studenten und Analysanden. Der damalige Präsident der Gesellschaft, Sacha Nacht, war ein charismatischer Kliniker, aber kein so guter Theoretiker. Er und Lacan prallten heftig aufeinander. Beide hatten ihre Analyse bei Loewenstein gemacht, der ebenso wie Hartmann und Spitz gerade nach Amerika emigriert war.
1954 kam es zu der berühmten Spaltung, und Lacan musste die Gesellschaft verlassen. Anlass waren seine Veränderungen in der Technik, die vor allem das Setting betrafen. In erster Linie ging es dabei um die »variable Dauer der Sitzung«, denn Lacan vertrat die interessante, aber inakzeptable Idee, dass eine Sitzung verkürzt und beendet werden könnte, wenn bedeutsames Material aufgetaucht war. Die Unterbrechung selbst bekam dann die Qualität einer Deutung.
Ausgeschlossen aus der SPP, gründete Lacan seine eigene Schule, die École Freudienne de Paris (EFP), und bemühte sich vergebens um deren Anerkennung durch die IPA. 1963 trennte sich eine Gruppe von Kollegen von ihm, die